Dienstag, 23 September 2014 00:00

Personalwesen in Indien Die Stärken von indischen Mitarbeitern nutzen

Deutschland und Indien: zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wenn man sich den grundlegenden kulturellen Unterschieden nicht bewusst ist, wird man durch die indischen Kollegen, Mitarbeiter und Partner immer wieder irritiert werden.

Vergessen darf man dabei nicht: die Kommunikation erfolgt mit Menschen mit einem komplett anderem Weltbild und Wertesystem – auch wenn sich das Gegenüber auf den ersten Blick recht europäisch gibt. So wie unsere westliche Kultur überwiegend linear, monochrom (einzelne Arbeitsschritte erfolgen nacheinander), eindeutig (richtig/falsch), logisch, standardisiert sowie ergebnisorientiert ist, ist im Gegensatz dazu die indische Kultur polychrom (mehrere Handlungen laufen nebeneinander, ohne zwingende Einhaltung eines Zeit- oder Ablaufplans), kontextuell (es kommt drauf an), beziehungsorientiert und vor allem mehrdeutig. Dazu gibt es einige (akademische) Modelle, die diese kulturellen Unterschiede klassifizieren und beschreiben: siehe Kulturdimensionen nach Hofstede, Trompen Aar oder Hall. Mit diesem theoretischen Wissen werden sich viele Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Indien erklären können. Im Idealfall sollte man aber nicht nur Missverständnisse vermeiden und kulturelle Herausforderungen managen, sondern die kulturellen Unterschiede als Stärken verstehen und nutzen.

Deutsche Ingenieurskunst und indische “Händlermentalität” verbinden

Denn so problematisch uns oft manche indische Eigenheit erscheint, bei näherem Hinsehen könnte sich sogar eine Stärke dahinter verbergen. Um diese zu erkennen, sollte man nicht mit dem europäischen „digitalen Verstand“ (entweder ist etwas richtig oder falsch) werten, sondern erstmals „die andere Seite der Medaille“ betrachten. So kann aus sich abstoßenden Polen ein komplementäres Ganzes werden und Indien Deutschland in seinen Qualitäten ergänzen. Und es gibt einiges, was wir von den Indern lernen können.
• Deutschlands Ingenieurs-Kunst ist weltbekannt. Indiens “Händlermentalität” und Geschäftssinn sind berühmt – berüchtigt. Zusammen eine unschlagbare Kombination – zum Vorteil beider Seiten.
• Während wir unsere Unternehmungen hauptsächlich auf strukturierte und detaillierte Planung gründen, erreicht man in Indien die Ziele durch ein hohes Maß an Flexibilität und eine Portion Improvisationstalent. Die goldene Mitte ist wohl das beste Maß.
• Während deutsche Firmen ihren Fokus auf höchste Qualität und absolute Präzision legen, steht in Indien das Kosten/Nutzen-Verhältnis im Vordergrund. „Mut zur Lücke“ kann unter Umständen eine sinnvolle Strategie sein.
• In unseren Breiten ist die “Do-It-Yourself”-Kultur stark ausgeprägt und betrifft nicht nur Heimwerken und Gärtnern sondern auch die Arbeit. Mit Delegation tun wir uns oft schwer – ganz anders in Indien. Die Fähigkeit und Bereitschaft Arbeit zu verteilen und Hierarchien zu nützen, ermöglicht stärkeres und schnelleres Wachstum von Organisationen.
• Dass Kommunikation in Deutschland direkt und klar sachorientiert läuft ist wohl kein Geheimnis. In Indien ist die Beziehung immer wichtiger als die Sache und Emotionen spielen eine große Rolle. Für eine nachhaltig funktionierende Kommunikationsbasis kann wohl etwas mehr Beziehungs-Ebene auch nicht schaden.
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Indern und Deutschen verspricht so manches Potential zu heben. Diese kulturellen Unterschiede sollten nicht ungenutzt bleiben.

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